Die jüngste Pressemitteilung der Region Hannover „zur sogenannten Lösung“ der Probleme auf der S-Bahn-Linie S4 wertet die CDU-Regionsfraktion vor allem als Eingeständnis jahrelangen Wegsehens. Die nun angekündigte kurzfristige Anmietung von Ersatzfahrzeugen stelle aus ihrer Sicht keinen Erfolg dar, sondern lediglich Schadensbegrenzung nach monatelangem Stillhalten.
Seit dem Betreiberwechsel zu Transdev reißt die Serie von Störungen bei der S-Bahn Hannover nach Darstellung der CDU nicht ab. Zugausfälle, Fahrzeugmangel, gestrichene Linien und überfüllte Züge prägten für viele Pendler längst den Alltag. Zwischen 2019 und 2023 habe die S-Bahn Hannover rund sieben Millionen Fahrgäste verloren. Dies wertet die CDU-Regionsfraktion als deutliches Misstrauensvotum gegen die Funktionsfähigkeit des Systems. Eine Entspannung der Lage sei seither nicht eingetreten, vielmehr hätten sich die Probleme weiter verschärft.
Der Vorsitzende der CDU-Regionsfraktion, Bernward Schlossarek, spricht von einem strukturellen Versagen. Was derzeit bei der S-Bahn Hannover zu beobachten sei, sei kein kurzfristiger Ausrutscher, sondern Ausdruck grundlegender Probleme bei Betreiber und Regionsführung. Seit Jahren verliere die Bevölkerung Vertrauen, während Züge ausfielen und Verantwortliche Erklärungen lieferten. Von einer Mobilitätswende zu sprechen, sei nicht glaubwürdig, solange weder ein stabiler Regelbetrieb gewährleistet sei noch der bestehende Zustand verlässlich gehalten werde.
Besonders kritisch bewertet die CDU die aktuelle Fahrzeugknappheit. Pendler müssten täglich um Sitz- und Stehplätze kämpfen, etwa auf der stark frequentierten Linie S5 zwischen Hameln, Springe und Hannover. Die ursprünglich zur Entlastung vorgesehene Linie S51 sei mindestens bis Ende März gestrichen. Die zeitweise vollständige Einstellung der S4 mit Ersatz durch Busverkehre habe nach Auffassung der CDU einen unzumutbaren Zustand für eine wachsende Region dargestellt, die auf funktionierenden Schienenverkehr angewiesen ist.
Irritation löst bei der CDU-Regionsfraktion zudem die Aussage des Verkehrsdezernenten aus, man habe eine komplette Einstellung der Verkehre nicht akzeptiert. Vor diesem Hintergrund stellt sich aus ihrer Sicht die Frage, warum über einen so langen Zeitraum faktisch genau dieser Zustand hingenommen worden sei. Die Regionsverwaltung habe deutlich zu spät wirksamen Druck auf den Betreiber ausgeübt, obwohl die Warnzeichen seit Jahren offensichtlich gewesen seien.
Zwar trage Transdev keine Verantwortung für den teils maroden Zustand des Schienennetzes, wohl aber für die Fahrzeugverfügbarkeit, eine vorausschauende Wartungsplanung und die betriebliche Stabilität. Gerade in diesen zentralen Bereichen habe der Betreiber wiederholt versagt. Hier hätte die Regionsführung nach Ansicht der CDU früher und konsequenter eingreifen müssen.
Sieben Millionen verlorene Fahrgäste seien kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Fehlsteuerung und unzureichender Kontrolle, betont Bernward Schlossarek abschließend. Notwendig seien nun klare vertragliche Konsequenzen bei anhaltender Nichterfüllung sowie belastbare Notfall- und Ersatzkonzepte statt improvisierter Ad-hoc-Lösungen. Die Menschen in der Region benötigten keine weiteren Erklärungen, sondern eine verlässlich funktionierende S-Bahn.
