
Die Gemeinde Isernhagen hat sich mit einer ausführlichen Erklärung an die niedersächsische Landesregierung gewandt und fordert spürbare Verbesserungen beim nächtlichen Fluglärm am Flughafen Hannover-Langenhagen. Das Schreiben wurde in Abstimmung mit dem vom Rat entsandten Vertreter in der Fluglärmschutzkommission, Herrn Poppe, erarbeitet und zuvor dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt.
In dem an Ministerpräsident Olaf Lies und Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne gerichteten Schreiben bringt der Gemeinderat seine große Sorge über die anhaltend hohe Belastung der Bevölkerung durch Nachtfluglärm zum Ausdruck. Trotz einer seit Jahren klaren wissenschaftlichen Datenlage würden die gesundheitlichen Risiken nächtlichen Flugverkehrs bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei verweisen die Verantwortlichen auf Studien der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Umweltagentur, die Nachtlärm als eines der gravierendsten und zugleich am stärksten unterschätzten Gesundheitsrisiken in Europa einordnen.
Besonders problematisch sei die Situation für Isernhagen aufgrund der bereits hohen Vorbelastung durch Autobahnen und Schienenverkehr. Der zusätzliche nächtliche Flugverkehr stelle daher eine relevante Mehrfachbelastung dar. Wissenschaftlich belegt seien unter anderem Schlafstörungen mit Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen sowie psychische Beeinträchtigungen. Auch Kinder seien in besonderem Maße betroffen, da nächtlicher Lärm in einer Phase wirke, in der wichtige körperliche und neuronale Entwicklungsprozesse stattfinden.
Der Gemeinderat sieht kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit. Andere große deutsche Flughäfen zeigten, dass wirtschaftlich tragfähiger Flugbetrieb auch mit deutlich strengeren Nachtflugbeschränkungen möglich sei. Ein Sonderstatus für den Flughafen Hannover lasse sich aus Sicht der Gemeinde weder sachlich noch gesundheitspolitisch überzeugend begründen.
Isernhagen bekennt sich ausdrücklich zum Flughafenstandort Hannover, fordert jedoch, den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung stärker zu gewichten. Angeregt werden unter anderem ein schrittweiser Abbau nächtlicher Flugbewegungen ab 2027, eine Verlagerung touristischer Flüge in die Tagesrandzeiten, eine Überprüfung der nächtlichen Lärmgrenzwerte sowie die Entwicklung eines langfristigen, gesundheitlich orientierten Lärmschutzkonzepts.
Bürgermeister Tim Mithöfer betont, dass es der Gemeinde nicht um eine Blockade wirtschaftlicher Entwicklung gehe, sondern um eine verantwortungsvolle und evidenzbasierte Ausgestaltung des Flughafenbetriebs. Ein modernes Bundesland müsse sich daran messen lassen, wie konsequent belegte Gesundheitsrisiken vermieden werden. Die Gemeinde Isernhagen signalisiert zugleich ihre Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog mit Land und Flughafenbetreibern.
