Isernhagen: Gemeinderat arbeitet Tagesordnung in 45 Minuten ab

Das kommt bei Ratssitzungen nicht häufig vor: Der Rat der Gemeinde Isernhagen hat am gestrigen Donnerstag, 12. März 2026, seine Sitzung im Ratssaal des Rathauses in nur 45 Minuten abgearbeitet. Spektakuläre Entscheidungen waren nicht dabei. Vorher ist der Tagesordnungspunkt „Neufassung der Satzung der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde“ abgesetzt worden. Deshalb kam es nicht zu der erwarteten Bestellung eines 2. stellvertretenden Gemeindebrandmeisters. Dieses Amt sollte neu eingeführt werden.

Angenommen wurde der gemeinsame Antrag der Gruppe SPD/BSI und der Gruppe Grüne/PARTEI, die Einführung einer gymnasialen Oberstufe an der IGS Isernhagen zu verfolgen. Die Verwaltung soll beauftragt werden, gemeinsam mit der IGS Isernhagen und dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe schnellstmöglich zu planen und umzusetzen, dazu ein finanzielles, schulorganisatorisches und pädagogisches Umsetzungskonzept vorzulegen.

Die Begründung des Antrages: „Die IGS Isernhagen hat in den vergangenen Jahren hintereinander mehrere vollständige Durchläufe von Klasse 5 bis 10 erfolgreich absolviert. Regelmäßig erreichte mehr als die Hälfte – über 60 Prozent – der abgehenden Schülerinnen und Schüler den erweiterten Sekundarabschluss I, womit die grundlegende Voraussetzung für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe erfüllt ist. Die Schulform der IGS komplettiert das bestehende Bildungsangebot am Schulcampus und stellt eine sinnvolle Ergänzung zum Gymnasium Isernhagen dar. Viele Eltern und Erziehungsberechtigte teilten mit, dass sie sich bei der Wahl der weiterführenden Schule bewusst für eine IGS entscheiden würden, wenn dort auch die Möglichkeit bestünde, das Abitur zu absolvieren.  Im Jahr 2024 zahlte die Gemeinde Isernhagen 160.133 Euro an Gastschulgeldern für 93 Schülerinnen und Schüler, die außerhalb der Gemeinde beschult wurden. Damit besteht ein Einsparpotenzial von knapp 110.000 Euro in diesem Bereich. Dies sind Mittel, die die Gemeinde verlassen, ohne dass sie dem örtlichen Bildungsangebot zugutekommen. Die Einführung der gymnasialen Oberstufe erfordert keine baulichen Erweiterungen in den bestehenden Räumlichkeiten. Darüber hinaus sollen beide Schulleitungen – Gymnasium und IGS – gebeten werden, nach Einführung der Grundprofile an der IGS eine mögliche Kooperation zu prüfen. Ziel ist es, gemeinsam ein breites Fächer- und Profilangebot zu schaffen, das die Attraktivität des Bildungsstandorts Isernhagen für Schülerinnen und Schüler nochmals steigert. Die Einrichtung einer eigenen gymnasialen Oberstufe an der IGS konnte zudem zu einer Entlastung des Gymnasiums beitragen, wenn die Entscheidung nur nach Schulkonzept und nicht nach erreichbaren Schulabschluss gefällt werden kann. Mit diesem Antrag möchten wir den Bildungsstandort Isernhagen zukunftsfähiger machen.“

Mehrheit fand auch der Antrag der Grünen/PARTEI für einen Hörgang. Der Antrag lautete: Ab 2026 richtet die Gemeinde Isernhagen einen dauerhaft zugänglichen historischen Hör-Rundgang mit zunächst 12 bis 15 Audio-Stationen ein, die Inhalte sind über QR-Schilder sowie eine Webplattform abrufbar. Die Verwaltung entwickelt das Angebot gemeinsam mit dem Nordhannoverschen Bauernhaus-Museum, dem Isernhagenhof sowie mit Ortschronist*innen und mit Schulen. Sie unterstützt bei Vernetzung, Recherche, Texten, Einsprechen, Technik, Beschilderung und Öffentlichkeitsarbeit. Für Konzeption, Produktion, Technik und Kommunikation sollen im Haushaltsjahr 2026 insgesamt 15 000 Euro bereitgestellt werden und ergänzende Fördermittel der Region Hannover sowie des Landes Niedersachsen eingeworben werden.

Die Begründung: Ein Hörgang macht Ortsgeschichte jederzeit und ohne Eintritt erlebbar, er funktioniert im Alltag ebenso gut wie bei Ausflügen. Menschen aller Altersgruppen entdecken vertraute Wege neu und erhalten kurze, verständliche Hörstücke, die Lust auf mehr machen. Das Format passt zu Isernhagen, da hier lebendige Dorfgeschichte, markante Baudenkmale sowie aktive Vereine vorhanden sind. Praxisbeispiele aus der Region belegen die Umsetzbarkeit sowie die Akzeptanz. In der Gemeinde Wennigsen gibt es einen Audioguide, der Besucher*innen per QR-Code zu mehreren Hörstationen führt. In Gehrden, Ortsteil Everloh, lädt ein familienfreundlicher Hörpfad mit rund zwölf Stationen zum Entdecken ein und die kurzen Hörstücke machen Ortsgeschichte anschaulich und hörbar. Diese Beispiele zeigen, dass Produktion, Beschilderung und digitale Bereitstellung kommunal gut handhabbar sind und liefern erprobte Orientierung für Textlängen, Dramaturgie sowie Gestaltung. Schulen können im Rahmen von Projektwochen oder AGs kurze Hörstücke entwickeln, indem sie recherchieren, Interviews führen, Skripte schreiben sowie einsprechen. Ehrenamtliche Chronist*innen können Ortswissen beisteuern, Fotos bereitstellen und Standorte vorschlagen. Sie können Texte gegenlesen sowie Kontakte zu Zeitzeug*innen vermitteln. Die Beteiligung kann über einen kleinen Redaktionskreis organisiert werden. Darin arbeiten das Nordhannoversche Bauernhaus-Museum mit dem Wöhler-Dusche-Hof, der Isernhagenhof, Schulen, die Ortschronist*innen sowie der Fachbereich Kultur zusammen und stimmen Themen, Qualitätsstandards sowie Veröffentlichungen gemeinsam ab.“

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