
Kurz vor Ostern rückt in Isernhagen die Frage in den Fokus, wie sich Tradition und Naturschutz beim Osterfeuer besser miteinander verbinden lassen.
Auslöser ist eine Mail der Tierschutzorganisation „Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg“, die an alle Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates Isernhagen verschickt wurde. Der Verein hatte sich zuvor bereits an die Gemeindeverwaltung gewandt und dort nach den Abläufen rund um die Osterfeuer gefragt. In der Antwort, auf die sich der Verein in seiner Darstellung bezieht, wurde demnach bestätigt, dass Brennmaterial für Osterfeuer teilweise über mehrere Wochen gesammelt und gelagert wird. Eine Umschichtung erfolge in der Regel erst am Tag des Abbrennens.
Nach Einschätzung des Vereins können solche frühzeitig aufgeschichteten Holzstapel in dieser Zeit als Rückzugsorte für Wildtiere dienen. Dazu zählen unter anderem Igel, Kleinsäuger oder auch Vögel, die in den geschützten Strukturen Unterschlupf finden. Problematisch sei, dass viele dieser Tiere bei Störungen nicht fliehen. Gerade Igel rollten sich bei Gefahr ein, statt das Versteck zu verlassen. Eine kurzfristige Umschichtung der Holzstapel unmittelbar vor dem Abbrennen könne deshalb nicht in jedem Fall sicher gewährleisten, dass sich keine Tiere mehr darin befinden.
Die Grünen Isernhagen greifen diesen Impuls nun auf und werben für eine behutsame Weiterentwicklung der bisherigen Praxis. „Osterfeuer gehören zu Isernhagen – das steht für uns außer Frage“, sagt die Co-Vorsitzende der Grünen Isernhagen, Dr. Annette Heuer. „Aber Tradition lebt davon, dass sie sich weiterentwickelt. Gerade angesichts des Artensterbens sollten wir prüfen, wie wir sie verantwortungsvoll anpassen können.“
Heuer verweist darauf, dass sich Bräuche im Laufe der Zeit immer wieder verändert hätten. „Ein schönes Beispiel ist der weihnachtliche Fahrzeugumzug der Freiwilligen Feuerwehr. Er ist während der Corona-Zeit entstanden und zeigt, wie neue Traditionen entstehen können. Heute ist er für viele Menschen in Isernhagen ein fester Bestandteil in der Vorweihnachtszeit.“
Aus Sicht der Grünen könnten bereits einfache Maßnahmen helfen, Risiken zu verringern. Genannt werden unter anderem ein späteres Aufschichten des Brennmaterials oder zusätzliche Kontrollen vor dem Abbrennen. „Es geht nicht um Verbote, sondern um Verantwortung“, ergänzt Fabian Peters, Vorsitzender der Gruppe Grüne/PARTEI im Gemeinderat. „Wenn wir Brauchtum und Naturschutz zusammen denken, kann daraus ein modernes Osterfeuer entstehen, das auch in Zukunft breite Akzeptanz findet.“
Die Grünen Isernhagen kündigen an, die Fragen und die Kritik der Tierschutzorganisation auch im Gemeinderat zu thematisieren, um gemeinsam mit Verwaltung, Feuerwehren und Umweltschutzorganisationen nach praktikablen Lösungen zu suchen.
